Die Interoperabilitäts-Engine: Warum Metadaten der Schlüssel zu nahtlos integrierten Systemen sind
- Reto Schneider

- 19. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 7 Tagen
Schlüsselbegriffe: Metadatenmanagement, Datenkontext, Interoperabilität
Metadaten liefern den entscheidenden Kontext, damit Daten systemübergreifend verstanden, integriert und als strategisches Asset genutzt werden können. Ohne klar definierte Metadaten bleiben Daten isoliert, schwer nutzbar und verlieren ihren wirtschaftlichen Wert.
"Metadaten sind die 'Daten über Daten', die den notwendigen Kontext liefern, damit Daten als strategisches Asset genutzt werden können.“— DAMA International (2017), DAMA-DMBOK
Warum scheitern datenreiche Initiativen trotz moderner Technologien?
Dateninitiativen scheitern selten an zu wenig Daten, sondern fast immer an fehlender Bedeutung. Organisationen investieren massiv in Plattformen, Cloud-Infrastrukturen und KI-Modelle – und erzielen dennoch unklare Analyseergebnisse, fragile Integrationen und unvorhersehbares Systemverhalten.
Die Ursache liegt nicht in der Technologie, sondern in einer strukturellen Interoperabilitätslücke. Wenn Systeme Daten austauschen, ohne zu wissen, was diese Daten bedeuten, entstehen Missverständnisse. Ein übermittelter Wert wie "100“ ist wertlos, wenn unklar bleibt, ob er Grad Celsius, Prozent oder eine Stückzahl beschreibt.
Fehlender Kontext erzeugt Data Swamps und Dark Data
Daten ohne Kontext werden zu Daten, denen niemand vertraut. In der Praxis führt fehlende semantische Klarheit zu sogenannten "Data Swamps": Daten werden zwar gespeichert, aber kaum genutzt, weil ihre Herkunft, Qualität oder Bedeutung unklar ist.
Studien zeigen, dass bis zu 55 % der Unternehmensdaten sogenannte "Dark Data“ sind – erfasst, gespeichert, aber niemals produktiv genutzt (Gartner, 2023). Diese Daten binden Kosten, erhöhen Risiken und liefern keinen Mehrwert.
Hochwertige Metadaten sind der eigentliche Integrationslayer
Echte Interoperabilität entsteht nicht durch mehr APIs, sondern durch besseres Metadatenmanagement. Metadaten fungieren als verbindende Schicht zwischen heterogenen Systemen. Sie liefern die "DNA“, die es Anwendungen ermöglicht, dieselbe Sprache zu sprechen – unabhängig von Technologie, Anbieter oder Organisationseinheit.
Wer Metadaten als strategisches Unternehmensasset behandelt, schafft die Grundlage für:
eindeutige Dateninterpretation,
nachvollziehbare Datenherkunft,
klare Nutzungsregeln,
skalierbaren Datenaustausch.
Metadaten wirken damit als universeller Übersetzer zwischen Systemen, Plattformen und Geschäftsbereichen.
Von Metadaten zu echter Interoperabilität: vier strategische Schritte
Schritt 1: Gemeinsame Semantik definieren
Interoperabilität beginnt mit einer gemeinsamen Sprache. Ein unternehmensweit abgestimmtes Vokabular (z. B. Ontologie oder kontrolliertes Datenmodell) stellt sicher, dass eine "Product ID“ im Lager exakt dasselbe bedeutet wie eine "Product ID“ im Vertrieb oder in der Abrechnung.
Schritt 2: Quelldaten eindeutig zuordnen
Daten werden erst interoperabel, wenn sie explizit gemeinsamen Konzepten zugeordnet sind. Felder aus operativen Systemen – etwa ERP-Tabellen, Sensordaten oder Service-Logs – werden mit standardisierten Metadatendefinitionen verknüpft. Dadurch bleiben Daten auch außerhalb ihres Ursprungssystems verständlich, nachvollziehbar und wiederverwendbar.
Schritt 3: Kontext automatisiert erfassen
Manuelle Metadatenerfassung skaliert nicht. Herkunft, Einheiten, Zeitbezug und Nutzungsregeln müssen automatisiert erfasst werden, idealerweise bereits bei der Datenerzeugung. So tragen Daten ihren Kontext von Anfang an mit und können von jeder empfangenden Maschine korrekt interpretiert werden.
Schritt 4: KI- und regulatorische Bereitschaft sicherstellen
Interoperabilität ist heute auch eine regulatorische Pflicht. Vorgaben wie der EU Data Act verlangen portable, nachvollziehbare und regelkonforme Daten. Gleichzeitig benötigen KI-Modelle präzisen Kontext, um verlässliche Ergebnisse zu liefern. Sauber gemanagte Metadaten sind die Voraussetzung für beides.

Metadaten entscheiden über den Erfolg Ihrer Datenstrategie
Ohne Kontext keine Skalierung, ohne Semantik keine KI, ohne Metadaten keine Interoperabilität. Organisationen, die Metadaten strategisch steuern, verwandeln isolierte Datenbestände in ein belastbares, zukunftsfähiges Datenökosystem.
Fehlt Ihrer Datenstrategie der notwendige Kontext? Sprechen Sie mit unserem Team, um sicherzustellen, dass Ihre Systeme heute für die Anforderungen von morgen gebaut sind.
Ausblick: Weitere Beiträge aus unserer Metadaten-Serie
In den kommenden Artikeln vertiefen wir unter anderem:
Der Business Case für Metadaten: Wie strukturiertes Metadatenmanagement Datenwert, Effizienz und Skalierbarkeit messbar steigert.
FAIR Data in der Praxis: Wie Metadaten Auffindbarkeit, Zugänglichkeit, Interoperabilität und Wiederverwendbarkeit ermöglichen.
Metadaten für industrielle Datenräume: Warum standardisierte Metadaten zentral für den EU Data Act und sicheren Datenaustausch sind.
Literatur & Referenzen
Weiterführende Literatur, Studien und Normen stellen wir zentral in unserem Literaturbereich bereit. Dort finden Sie eine kuratierte Auswahl relevanter Standards, wissenschaftlicher Veröffentlichungen und regulatorischer Dokumente zu Metadatenmanagement, Interoperabilität und Datenregulierung.

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